Mittwoch, 23. Januar 2013

Django Unchained

Wer sollte sich den Film ansehen? Wer zum Anfang des Jahres Lust auf großartige Schauspieler, viel Blut und eine Menge skurrilen Tarantino-Humor hat.

Wer sollte sich den Film NICHT ansehen? Wer Probleme mit Gewalt und Blut hat, der sollte Django Unchained genau wie alle anderen Tarantino Filme besser meiden.

Wissenswertes: Eigentlich wurde die Rolle des Django zuerst Will Smith angeboten. Der lehnte entgegen der Empfehlung seiner Berater ab.
Die Szene, in der Leonardo DiCaprio auf den Essenstisch haut, endete für ihn blutig. Er schnitt sich an einem zerbrochenen Glas, blieb jedoch in der Rolle und diese Szene wurde für den endgültigen Schnitt genutzt. Ein echter DiCaprio kennt eben keinen Schmerz.

INHALT: Der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz braucht die Hilfe des Sklaven Django um seine nächsten Ziele ausfindig zu machen. Nach erledigter Mission fühlt er sich für den nun freien Mann verantwortlich und hilft dessen Frau Broomhilda von dem Plantagenbesitzer Calvin Candy zu befreien.




MEIN SENF:  Das Quentin-Tarantino-Universum hat feste Größen. Übertrieben viel Blut spritzt, die Dialoge sind lang und schrammen haarscharf zwischen Schwachsinn und Kult hin und her und der tiefere Sinn geht so manchmal verloren auf der Suche nach einem möglichst absurden Cameo-Leinwandtod des Regisseurs selbst. Aber der Mann mit dem IQ von 160 und seine Filme sind nicht umsonst unsterblich.
Kaum jemand kann eine Geschichte so unterhaltsam inzenieren und selbst die bizarrsten Szenen bitterernst angehen. Das beginnt schon beim Soundtrack. Da kommt beispielsweise ein komplett deplatziertes Gangster Hip Hop Werk in einem Film, der im 19. Jahrhundert spielt und das Verrückteste ist, dass es perfekt passt.
Django Unchainend reiht sich nahtlos in die Tarantino Filmografie ein. Da werden Leichen zerschossen, bis auch der letzte Fleck weißer Wand blutgetränkt ist. Da kleidet sich ein schwarzer Sklave in einen blauen, barocken Hosenanzug und nimmt süße Rache. Da haben inzestöse Südstaatler Artikulationsschwierigkeiten. Aber eine neue Konstante hat sich scheinbar ins Tarantino-Universum gedrängt. Ein deutschsprachiger Schauspieler namens Christoph Waltz, der seit seiner Darstellung des Hans Landa in Inglorious Bastards die gegelten Hollywoodmimen alt aussehen lässt. Und auch wenn er als Nebendarsteller für Django gerade einen Golden Globe erhalten hat und außerdem für einen Oscar nominiert ist, ist er die eigentliche Hauptrolle des Films. Der Film wirkt wie um ihn herum drapiert und lebt und stirbt mit Waltz. Er spielt unkonventionell, ironisch und immer überlegen. Und es ist nicht irgendwer, den er hier an die Wand spielt. Jamie L. Foxx, Samuel J. Jackson und Kerry Washington liefern gute Leistungen ab und es ist erfrischend Leonardo DiCaprio mal nicht in einem Biopic zu sehen, sondern als schmierigen Bösewicht. Aber Waltz ist wie in Inglorious Bastards omnipräsent und einfach nur großartig. Der Oscar muss dieses Jahr wieder an ihn gehen.
Django Unchained ist nicht der kürzeste Film und verliert am Ende etwas an Fahrt und Spannung, aber der Film bietet so viele großartige Momente, dass man darüber sehr gerne hinwegsieht. Und wem es doch zu lang ist, der kann sich in der ersten Hälfte des Film auf eine der witzigsten Szenen aller Zeiten freuen.


Fazit für Lesefaule: Selten liegt der Duft von Kult so in der Luft wie bei Django Unchained. Sofort wird einem bewusst, dass das, was man da auf der großen Leinwand sieht, noch in Jahren zitiert und gehypt werden wird.
Steffi

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