Dienstag, 22. Januar 2013

Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger


Wer sollte sich den Film ansehen? Jeder, der noch an Wunder im Leben glaubt. Und natürlich alle, die ihren Augen ein buntes Feuerwerk gönnen wollen.

Wer sollte sich den Film NICHT ansehen? Wer sich an nicht ganz realistischen Geschichten stört.

Wissenswertes: Ein echter Tiger ist dank Computeranimationen so gut wie nie zu sehen. Lediglich einige Aufnahmen im Wasser zeigen tatsächlich einen Tiger.

INHALT: Pis (Suraj Sharma) Vater ist Zoobesitzer und will, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, nach Amerika auswandern. So wollen sie Indien mit einigen Zootieren auf einem Dampfer verlassen, das Schiff wird allerdings von einem Sturm erfasst und Pi findet sich als einziger Überlebender auf einem Rettungsboot wieder. Bald stellt er jedoch fest, dass es auch der Tiger Richard Parker auf das Boot geschafft hat.

http://www.slate.com/content/dam/slate/articles/arts/movies/2012/11/121121_MOV_LifeofPi.jpg.CROP.rectangle3-large.jpg

MEIN SENF: Ein Tiger und ein Junge in einem Boot. Na und. Diese Situation bietet nicht sonderlich viel Raum für eine Handlung, aber die Bilder sind vielleicht ganz hübsch. Scheinbar haben sich bereits viele eine festgefahrene Meinung zu Life of Pi gebildet, ohne den Film überhaupt gesehen zu haben. Das ist ziemlich schade, da der Film noch einiges mehr (neben dem Meer) zu bieten hat.
Zunächst zum Offensichtlichen: die hochgelobten Bilder. Ganz gerechtfertigt wird im Trailer fast arrogant mit grandiosen Aufnahmen angegeben. Es raubt einem tatsächlich fast den Atem, wenn Pi mit seinem Tiger über das Meer tuckert und seine Geschichte erzählt. Life of Pi ist auch endlich ein Film, für den es sich lohnt, die 3D-Brille aufzusetzen und ich will mich als 3D-Gegner nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber Der Hobbit ist ein kleines 3D-Lichtlein dagegen. Das ist aber nur meine subjektive Meinung. Bereits die farbenprächtigen Anfangsaufnahmen der Zootiere sind beeindruckend und lohnen einen Besuch. Spätestens, wenn der Sturm das Schiff in die Tiefe reißt, hat der Film einen in seinen Bann gezogen. Man befindet sich mitten im Geschehen und wundert sich nur, dass einem kein Wasser ins Gesicht spritzt.
Ganz klarer Star des Films ist Suraj Sharma, der mit seinen 19 Jahren erstaunlich authentisch spielt. Der einzige, der ihm gelegentlich die Show stiehlt, ist Richard Parker. Natürlich schimmert gelegentlich durch, dass der Tiger nicht ganz real ist, aber das vergisst man schnell.
Wer nicht glauben will, dass Pis Reise Erzählstoff bietet, der irrt. Das sensible Band, das sich langsam zwischen Pi und Richard Parker aufbaut, wird vor allem von den gemeinsam durchgestandenen Erlebnissen getragen und nicht zuletzt vom Kampf ums Überleben. Die Spannung zwischen den beiden Charakteren ist teilweise fast greifbar, denn jeden Moment droht die Situation zu kippen.
Was anfangs etwas befremdlich wirken kann, sind die fast menschlich wirkenden Gesichtszüge einiger animierter Tiere. Es erinnert unweigerlich an einen dieser Kinderfilme mit sprechenden Hunden. Dennoch ist Life of Pi alles andere als ein Kinderfilm, vielmehr ein buntes Märchen für Erwachsene und man sollte sich unvoreingenommen darauf einlassen.

Fazit für Lesefaule: Eine wunderschön anzusehende Geschichte um Hoffnung, Fantasie und den Glauben an sich selbst mit dem Hauch einer Moral.

Sophie

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