Freitag, 30. November 2012

DVD: The Road

"Jeder Tag ist eine Lüge. Ich spüre, dass ich langsam sterbe. Das ist keine Lüge.

INHALT: Ein Mann (Viggo Mortensen) hat nur ein Ziel: Seinem Sohn (Kodi Smit-McPhee) und sich das Überleben zu sichern. Das gestaltet sich in der postapokalyptischen Welt des Films allerdings nicht ganz so leicht. Alles ist tot und karg und Nahrung lässt sich kaum finden. Die einzige Hoffnung auf eine Zukunft sieht er in der Küste, zu der er mit seinem Sohn wandert, ständig in der Furcht, anderen Überlebenden als Nahrungsquelle zu dienen.



MEIN SENF: Der im Jahre 2010 erschienene Film ist zwar nicht brandneu, dafür aber gerade im Jahr des "Weltungergangs" (Ja, wir wissen, dass der Maya-Kalender 2012 eigentlich nur aufhört und kein Weltende weissagt, wie die Medien es auslegen.) aktueller denn je. Regisseur John Hillcoat verfilmte mit The Road den gleichnamigen Roman von Cormec McCarthy, der 2006 erschien. Der Schauplatz der Handlung ist eine karge graue Landschaft, die nach einem Brand, der fast alles Leben auf der Erde zerstörte, nur noch wenige Lebensnischen bereit hält. Den Grund für das Endzeitfeuer erfährt der Zuschauer nicht. Genauso bleiben der Hauptdarsteller und sein Sohn im Film namenlos. Doch das verdichtet die drückende Atmosphäre des Filmes und lässt die Geschichte umso realitischer wirken. Sowieso scheint der Endzeitfilm der Realität einer einsamen Zukunft sehr nahe zu kommen. Wenn es einen alles vernichtenden Brand geben sollte, könnte die Situation danach so trost- und perspektivlos aussehen wie hier. Der Streifen hält weniger Science-Fiction und Katastrophen-Szenarios parat, zeigt dafür mehr vom "Danach" und der menschlichen Psyche in einer solchen Situation. Zwar kein abgrundtiefer Trip in die Tiefen der menschlichen Seele, aber doch eine ansehnlich dargestellte Entwicklung des Menschen in Isolation und Angst. Ab und zu flimmert in Rückblenden auch Charlize Theron als Viggo Mortensens Frau über den Bildschirm. Schön anzusehen sind auch die postapokalyptischen fast malerischen Bilder der kalten leblosen Landschaft.

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Da nicht sehr viel geredet wird, erhöht man die Wortzahl mit den Gedanken des Protagonisten aus dem Off. Viggo "Aragorn" Mortensen legt eine beeindruckene One-Man-Show aufs Parkett, wirkt gegen Ende allerdings doch arg paranoid, was wohl eher dem Charakter als seiner Schauspielkunst geschuldet sein dürfte. Der sonst nüchterne Film hat natürlich auch einige sentimentale Momente, besonders am Ende, die zwar ziemlich an Hollywood erinnern, es aber dafür schaffen, die Distanz zum Publikum zu brechen. Alles in allem bietet der Film kurzweilige und interessante anderthalb Stunden, in denen wir mal voller Mitleid, mal voller Ekel und Abneigung und dann wieder mit Verständnislosigkeit und Erleichterung auf den Bildschirm starren werden.
Sophie

Mittwoch, 28. November 2012

Neu im Kino ab 29. November

Silent Hill: Revelation 3D: Wer dachte, die Geschichte von der Stadt mit den tausend widerlichen Kreaturen wäre ausschöpfend geschildert, der irrt. In Silent Hill: Revelation gehts nochmal so richtig ab, mit mehr Monstern, jugendlichen Hauptdarstellern und das ganze in fettem 3D. Wen interessiert schon die Story, wenn mumienartige Krankenschwestern ihr Unwesen treiben?
"Die Finsternis kommt. Es ist sicherer drinnen zu sein."

Killing Them Softly: Zwei Gangsterneulinge mischen ein Pokerspiel auf und machen sich damit den Stadtuntergrund zum Feind. Diese organisiert den Vollstrecker Jackie Cogan (Brad Pitt) um die Angelegenheit zu bereinigen. Der Trailer verspricht deftige Dialoge und einer Gangsterfilm im guten, alten Stil.
"Ich töte sie gerne sanft, aus der Ferne..."
In ihrem Haus: Ein frustrierter Literaturlehrer ist fasziniert von dem Aufsatz einer seiner Schüler. Dieser schildert darin, wie er sich in das Haus und das Vertrauen einer Familie eines Mitschülers einschleicht. Getrieben von Neugier und Voyeurismus verstrickt sich der Lehrer immer mehr in das Leben der Familie und vermag den Unterschied von Fiktion und Realität des Schülers nicht mehr zu erkennen.
"Ich mache mich auf die Suche nach einem Schluss. Nach einem Schluss für meinen Lehrer."


The ABCs of Death Trailer

Es ist eine tödliche Filmanthologie: In The ABCs of Death zeigen uns 27 verschiedene Regisseure 26 Wege, zu Tode zu kommen. Dabei erhielt jeder Regisseur einen Buchstaben, für den er sich ein beliebiges Wort wählen konnte, das dann schließlich mit dem im Film gezeigten Tod zu tun haben musste. Daraus entstanden 26 Todeskurzfilme, die schließlich zu einem Ganzen zusammengefügt nächstes Jahr zu sehen sein werden. Wann genau, steht noch nicht ganz fest. Hier schonmal der Trailer:


Sonntag, 25. November 2012

DVD: Die Frau in Schwarz

INHALT: Der Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) wird in ein abgelegenes Dorf geschickt um den Nachlass einer verstorbenen Frau zu regeln. Dort hat er jedoch keinen angenehmen Aufenthalt, denn die dortigen Bewohner sind alles andere als gastfreundlich und versuchen mit aller Macht ihn los zu werden. Hinzu kommt, dass er von einer rachsüchtigen schwarzen Frau belästigt wird...




UNSER SENF: Für uns alle musste das Leben nach Harry Potter irgendwie weitergehen. Aber niemanden traf diese Zäsur so hart wie Daniel Radcliffe. Die Frau in Schwarz ist nun sein erster großer Film nach J.K.Rowlings Romanverfilmung. Passenderweise hat er sich dafür eine Rolle ausgesucht, die der von Harry Potter gar nicht so unähnlich ist. Ein Kostümfilm, in dem er sich einem dunklen Gegner gegenüber gestellt sieht und wieder handelt es sich um eine Romanverfilmung.
Als Arthur Kipps führt es uns in das seltsame Dorf und das 'gemütliche' Herrenhaus ein. Den meist furchtlosen, zwischen durch  auch etwas verstörten Anwalt weiß Radcliffe durchaus zu spielen.  Die zwei Dinge die er jedoch als Herausforderung an der Rolle gesehen hat, nämlich das es sich um einen älteren Charakter handelt und er einen Vater spielt, nimmt man ihm leider gar nicht ab.

Hätte er seinen Zauberstab mitnehmen dürfen, dann wäre er dieser Plage
vielleicht Herr geworden
Letztendlich zählt bei einem Horrorfilm jedoch die Geschichte und die Umsetzung. Die Frau in Schwarz ist ein klassischer Gothic-Horrorfilm. Die Geschichte beruht auf einen Roman aus dem Jahre 1983 und erzählt von einer schwarzgekleideten Frau, deren Rache die Kinder des Dorfes in den Tod treibt. Für ihr übertriebenes Verhalten gibt es natürlich eine Begründung, die wir hier aber nicht verraten werden. Die Geschichte ist zusammengefasst ganz nett und bietet dem Zuschauer die Möglichkeit Vermutungen anzustellen und mit zu raten was in diesem Dorf eigentlich vor sich geht.
Die verwendeten Schocker sind so alt wie das Film-Genre selbst und wissen trotzdem äußerst effektiv zu erschrecken. Der Regisseur hat das Setting bewusst sehr dunkel gestaltet, um zu erreichen, dass der Zuschauer in jedem Schatten und in jeder dunklen Ecke etwas zu sehen scheint. (Teilweise ist dort natürlich auch etwas...) Regisseur James Watkins bedient sich ganz klassischer Horror-Bilder, wie gruseligen Kindern, Puppen, Grabsteinen und dunklen, opulenten Räumen mit vielen schwarzen Ecken und auch wenn man es schon unzählige Male gesehen hat, erschreckt man sich doch trotzdem wieder. Während der Nacht die der Anwalt in dem alten Herrenhaus verbringt, war die Spannung beinahe nicht auszuhalten, weil einfach ein Schrecken auf den nächsten folgte. Der Film kommt ohne Splatterszenen aus und setzt nicht auf Ekelhorror, sondern will den Zuschauer mit eigenen Ängsten konfrontieren und einmal gründlich erschrecken. Wir müssen auch gestehen, dass uns danach etwas unwohl im Dunkeln war, was dem Film durchaus positiv anzurechnen ist.
Das Ende von Die Frau in Schwarz ist auch ganz nett und der Zuschauer lernt daraus: Rachsüchtigen Horrorfiguren sollte man nicht versuchen zu helfen, die sind sowieso niemals zufrieden.

DVD INFOS: Interviews mit Cast und Regisseur, Making-of Material

Steffi

DVD: I'm not a f**king Princess

INHALT: Die kleine Violetta (Anamaria Vartolomei) wird in den 70ern von ihrer Urgroßmutter großgezogen während sie ihre eigentliche Mutter Hanna (Isabelle Huppert) selten zu Gesicht bekommt. Diese will Karriere als Fotografin machen und ist daher ständig unterwegs. Sie bleibt jedoch mäßig erfolgreich, bis ihr die Idee kommt, ihre Tochter als Fotomodell zu verwenden. Violetta wird von da an von ihrer Mutter abgelichtet - auf Anweisung auch halbnackt oder in Frauenunterwäsche. Ihr Weg zum Ruhm ist ein schmaler Grat zwischen ästhetischer Kunst und Kinderpornografie und es stellt sich schnell die Frage, ob hinter den geschminkten Wimpern noch das Kind steckt, das Violetta einmal war.



UNSER SENF:
Die erste Szene: Ein Mädchen spielt Himmel und Hölle und läuft anschließend mit einem Teddy in der Hand nach Hause. Es wird klar, dass dieses Mädchen noch ein Kind ist, das eben spielen möchte. Der Zuschauer soll diesen Punkt scheinbar im Hinterkopf behalten und es wird bald deutlich, weshalb. Die Regisseurin Eva Ionesco verarbeitete mit I'm not a f**king Princess ihre eigenen Kindheitserlebnisse und vor allem das macht die Geschichte des Filmes unheimlich interessant. Filme, die auch nur ansatzweise auf wahren Begebenheiten beruhen, üben meist einen seltsamen Reiz auf das Publikum aus und in diesem Fall wirkte der Hauptcharakter der Geschichte, Ionesco selbst, deren Name im Film Violetta lautet, zentral bei der Entstehung des Filmes mit. Sie erzählt ihre persönliche Sicht der Erlebnisse ihrer Kindheit. Unverblümt und subjektiv. Es ist eine aufwühlende Geschichte, die viele Grundsatzfragen aufwirft. Ist es noch Kunst, Kinder nackt und mit gespreizten Beinen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, sei es nur auf Papier? Ist es große Liebe, das eigene Kind in die Arbeit einzubinden oder nur ein Mittel zum Zweck? Das Thema ist umfassend und bietet viel Diskussionsstoff, wird vermutlich aber größtenteils auf Ablehnung stoßen. Das Risiko, in Sentimentalitäten abzudriften, ist bei einer solchen Verfilmung also groß. Allerdings ist dies ein französisch-rumänischer Film, der dem Ruf der französischen Kunstfilme treu bleibt. Wunderbar nüchtern und fast kühl wird die sonderbare Mutter-Tochter-Beziehung dargestellt. Es ist fast unmöglich, mit den Protagonisten mitzufühlen, da dem Zuschauer jeder Dialog und jedes Fotoshooting so trocken und sachlich aufgetischt wird. An dieser Stelle hat die Regisseurin ihre eigenen Emfindungen für ihre Mutter stark zurückgenommen, sodass es dem Publikum überlassen bleibt, Hannas Aktionen zu beurteilen. Die Musik des Filmes verstärkt die nüchterne Wirkung. Die Szenen erscheinen fast banal bei den vor sich hinplätschernden Tönen. Anamaria Vartolomei war bei der Verfilmung gerade zehn Jahre alt und dafür ist ihre schauspielerische Darbiertung umso erwähnenswerter. Sie verkörpert glaubwürdig das Kind mit den großen Augen in einem Porzellangesicht, das man einfach in die Haut einer erwachsenen Frau gezwängt hat. Wenn Hanna ihre Tochter zu Meetings mit Kollegen und Freunden in eine Bar mitnimmt, wird dieser Gegensatz besonders deutlich. Da sitzt die kleine Dame, die wie ein normales Fotomodell behandelt wird, im Rauch zwischen all den Erwachsenen und gibt trotzige Antworten.
http://data7.blog.de/media/068/5926068_c5c04b43cf_m.jpegAuch Isabelle Huppert kauft man ihre Rolle als der Realität entrückten Mutter ab. Überzeugend mimt sie die blonde kühle Frau, die ihr eigenes Kind in fragwürdigen Posen fotografiert - immer hinter dem Vorwand, es handele sich lediglich um Kunst, die nur noch keiner verstehen könne. Fast kauft man ihr das Argument ab. Leider schimmert ab und zu durch, dass Eva Ionesco nicht hauptberuflich Regisseurin/Drehbuchautorin ist. Die Szenen wirken abgehackt und zusammenhanglos, wie eine zusammengeflickte Decke, die trotzdem irgendwie ein Ganzes ergibt. So fragt man sich des Öfteren, ob die ein oder andere Szene überhaupt eine Bedeutung hatte und wenn ja, was für eine? Die Aufnahmen sind soweit schön anzusehen, wirken an der ein oder anderen Stelle (Violetta blickt sich unheimlich lange im Spiegel an) doch etwas bedeutungsschwer. Die filmische Umsetzung kann leider nicht ganz überzeugen. Ein Kunstfilm durch und durch, bei dem man sich aber fragen muss, ob die Distanz zum Zuschauer gewollt oder eher unfreiwillig entstanden ist. Der Film punktet also vor allem mit seiner Geschichte, die fast zu emotionslos wiedergegeben wird. Wer sich aber für die Story interessiert, darf ruhig einen DVD-Kauf wagen.

FAZIT FÜR LESEFAULE: Eine sachlich erzählte, mit starken Schauspielern gespickte, wahre Geschichte, die den Zuschauer jedoch nie wirklich erreicht und ihn mit dem Gefühl zurücklässt, dass da noch irgendetwas fehlt.
Sophie

Donnerstag, 22. November 2012

Das Ende der Twilight-Saga


Am 22.November neigt sich das Twilight-Epos dem Ende zu. Manch einen mag das erfreuen, andere trauern. Wie auch immer, wir wollen wissen: 



http://cdn1.screenrant.com/wp-content/uploads/Twilight-Breaking-Dawn-Part-2-Trailer-Vampire-Bella-Kirsten-Stewart.jpg

Mittwoch, 21. November 2012

Neu im Kino ab 22.November

http://cdn.stereogum.com/files/2012/10/Breaking_Dawn_Part_2_Poster-608x940.jpgBreaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht - Teil 2: Bella (Kristen Stewart) und Edward (Taylor Lautner) sind endlich in ihrem Vampirglück vereint und auch noch mit ihrer Tochter Renesmee gesegnet. Es könnte alles so schön sein - wäre da nicht der Volturi-Clan, der in Renesmee eine Bedrohung für die Geheimhaltung der Vampirwelt sieht. Endlich bekommen die Twilight-Fans ihr großes Vampir-Schmacht-Finale von Regisseur Bill Condon, da ist es doch fast egal, ob man nun weiße Beißerchen oder scharfe Wolfskrallen bevorzugt.







http://images3.cinema.de/imedia/9112/5089112,UYApFamaAZGSnjbeG_waXp7pSxuKMjjx5kmZYAXxqDv37f0lxjx99739iAnbLhL0RGx37Cc1sqYCy1AsbIYeeA%3D%3D.jpgCold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade: Addison (Eric Bana) und seine Schwester Liza (Olivia Wilde) sind auf der Flucht, nachdem ihr Überfall auf ein Casino ordentlich schief ging. Das Ziel der Geschwister ist Kanada. Als sie jedoch auf der Flucht in einen Unfall geraten, bei dem zwei Menschen ums Leben kommen, beschließen sie, sich zu trennen, um nicht entdeckt zu werden. Regisseur Stefan Ruzowitzky hatte auch bei Hexe Lilli und Anatomie seine Finger im Spiel.







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Sinister: Der Krimiautor Ellison (Ethan Hawke) zieht mit seiner Familie in ein Haus, in dem einst eine Familie ermordet wurde. Als Ellison den Dachboden durchforstet, stößt er auf grausige Videos der früheren Bewohner, die vielleicht etwas mit dem Tod der Familie und weiter zurückliegenden Morden zu tun haben. Schließlich versucht Ellison, das Geheimnis hinter den Videos zu lüften. Klingt nach einem klassischen Horrorfilm von Scott Derrickson, der bereits mit Der Exorzismus von Emily Rose Erfahrung in diesem Genre sammelte.

Cloud Atlas


Wer sollte sich den Film ansehen? Wer Deutschland als Drehort unterstützen will der kann das hier tun. Außerdem kann man großartigen Schauspielern dabei zu sehen, wie sie einem sechs unterhaltsame Geschichten näher bringen.

Wer sollte sich den Film NICHT ansehen? Ein dreistündiges Kinoerlebnis ist nicht Jedermanns Ding, vor allem wenn tiefgründige Dialoge und bedeutungsschwangere Worte den Film dominieren.

Wissenswertes: Die Wachowski-Geschwister wurden während der Dreharbeiten zu V wie Vendetta auf Cloud Atlas aufmerksam. Dort las Hauptdarstellerin Natalie Portman David Mitchells Roman in den Drehpausen. Eigentlich wurde ihr auch die Rolle der Sonmi-451 versprochen, aufgrund einer Schwangerschaft musste sie jedoch in letzter Minute absagen.

INHALT(ein Versuch): Sechs unterschiedliche Geschichten, die zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten spielen, sollen zeigen, dass alles mit einander verknüpft ist. Die Entscheidungen, die wir treffen und die Menschen, die wir sind, wirken sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Vergangenheit und die Zukunft aus. Oder so ähnlich.





MEIN SENF: Wenn man einen Film so anpreist, wie man es mit Cloud Atlas getan hat, dann tut man einem solchen Projekt keinen Gefallen. Ja, es handelt sich um die teuerste deutsche Co-Produktion aller Zeiten (100 Millionen Dollar) und ja, der Roman galt immer als unverfilmbar. Aber wenn man dann auch noch behauptet, es würde sich um den besten Film des Jahres handeln, dann kann das Endprodukt eigentlich nur enttäuschen. Und deswegen gleich vorne weg: Nein. Cloud Atlas ist nicht der beste Film des Jahres.
Aber Cloud Atlas ist auch kein schlechter Film. Die größte Stärke ist die ausgezeichnete Besetzung. Und zwar nicht nur weil jeder Einzelne sein Handwerk beherrscht, sondern vor allem, weil man den Schauspielern anmerkt, wie sehr sie sich in Cloud Atlas austoben konnten. Die einzelnen Schauspieler sind in allen Epochen vertreten und es werden munter Geschlechter, Hautfarben und Rassen getauscht. Besonders überrascht hat mich Hugh Grant, den ich im Vorhinein kaum als Bestandteil des Casts registriert hatte. Der sonst stets schusselige und rehäugige Grant verwandelt sich hier nämlich in einen ekligen, verdorbenen Widerling. Seine Auftritte sind eher kurz, bleiben aber am meisten im Gedächtnis. Die wohl ergreifenste Performance liefern Ben Wishaw und Zhou Xun. Die zweite Stärke ist der bestechend schöne Soundtrack. Wenn alle Stränge reißen, vermag es so doch wenigstens die Musik den Zuschauer mit zu reißen. Das Wolken Atlas Sextet zieht sich durch den gesamten Spielfilm und ist das wahre Verbindungsglied zwischen den Zeiten. Und zu guter letzt bereichert die Kombination aus drei Regisseuren Cloud Atlas deutlich. Bei einer doch etwas langen Erzählung (172 Minuten) tut es gut, dass jede einzelne Geschichte ihre eigene Handschrift trägt. Bei einigen Episoden, wie der von Sonmi-451, merkt man sofort, dass die Wachowski-Geschwister ihre Finger im Spiel haben, bei anderen kann man immerhin Vermutungen aufstellen. So bietet jede Geschichte unterschiedliche Facetten: mal emotional, mal witzig, mal brutal, mal apokalyptisch und mal actiongeladen. Am Unterhaltsamsten ist die Geschichte des Rentners Cavendish, der mit seinen Freunden aus einem Altersheim flieht. Jeder muss jedoch für sich selbst entscheiden, welches Schicksal einen persönlich am meisten anspricht. (Bei mir waren es wohl das des Komponisten(Ben Wishaw) und von Sonmi-451)
Optisch ist nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Twilight Filme könnten sich ein Beispiel nehmen an den professionellen CGI Effekten. Teilweise wunderschöne Landschaften kommen ebenfalls dazu. Dass der Film ab 12 Jahren freigegeben ist, überrascht jedoch hier und da, weil dem Zuschauer doch zwischendurch sehr blutige Bilder geboten werden.
Aber leider hat Cloud Atlas auch einige Schwachstellen. Die Geschichte ist bemüht hochtrabend und will außergewöhnlich intellektuell und tiefschürfend sein, tatsächlich bleibt der tiefere Sinn dem Zuschauer jedoch eher vorenthalten. Die ganze Wiedergeburtsangelegenheit wird zwar mit Worten oft genug betont, kommt jedoch durch die einzelnen Geschichten eher wenig zur Geltung. Und was soll es einem an Moral vermitteln, wenn der Schuft immer und immer wieder der Schuft ist? Auch wirken die Verkleidungen teilweise etwas lächerlich. Hugh Grant, Hugo Weaving und Jim Sturgess mit grotesken Masken, die das Gesicht asiatisch aussehen lassen sollen? Oder Hugo Weaving als Frau, die aber immer noch wie ein Mann aussieht? Auch wirken die einzelnen Geschichten etwas unvollendet, da sie jeweils enden bevor eigentlich der Schritt in den nächsten Zeitausschnitt erzählt wird. Aber vielleicht sollte man dafür auch dankbar sein, weil mehr als 172 Minuten den Rahmen definitiv mehr als überspannt hätten.

Fazit für Lesefaule: Cloud Atlas ist ein Projekt, in das viel Herz und viel Schweiß gesteckt wurde und das merkt man auch. Wenn man sich auf den Film einlässt, kann man sich auf interessante drei Stunde einstellen. Aber wer erwartet in seiner Weltanschauung beeinflusst zu werden, der wird wohl enttäuscht werden.

Steffi

Montag, 19. November 2012

Breaking Dawn Part II



Wer sollte sich den Film ansehen? Team Edward, Team Jacob und Team Bella sollten diesen Film nicht verpassen. Auch alle anderen Fans der Twilight-Saga sollten sofort ins Kino stürzen und sich beißen lassen.

Wer sollte sich den Film NICHT ansehen? Wer grundsätzlich eine Abneigung gegen gepflegten Kitsch hat, wird die Leinwand förmlich triefen sehen. Wem die Filme bisher nicht gefallen haben, wird nicht eines Besseren belehrt und sollte vielleicht doch lieber in einen anderen Kinosaal wechseln.

Wissenswertes: Vampire und Werwölfe gibt es eigentlich gar nicht. Und es gibt noch eine weitere Neuigkeit, denn Breaking Dawn Part II ist vermutlich noch nicht das Ende. Regisseur Bill Condon möchte die beiden letzten Teile der Saga zu einem zusammenschneiden. Wir sind gespannt, wie sich der Plan zum Supercut entwickelt.

INHALT: Nach der Geburt von Renesmee verwandelt Bella sich in einen Vampir und ihr Glück scheint perfekt. Endlich ist sie mit ihrer großen Liebe Edward vereint. Doch leider machen die Volturi ihr einen Strich durch die Rechnung und Renesmees Leben ist plötzlich in großer Gefahr. Um den Volturi die Stirn zu bieten, müssen die Cullens ihre Freunde um Unterstützung bitten und so stürzt der Vampirkonflikt einem rasanten Finale entgegen. Was muss Bella diesmal alles opfern, um ihre Liebsten zu schützen?


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MEIN SENF: Zum Beginn muss ich beichten, dass auch ich einst vom Vampirfieber ergriffen wurde und es äußerst schwierig ist, dies wieder von sich zu schütteln. Ich bin also infiziert - und ja - auch ich habe die Bücher gelesen und alle Filme gesehen. Ich kenne also die Vorlage und weiß, dass selbst diese nicht wirklich viel Fleisch zum Verfilmen bietet. Ich mochte sie trotzdem. Die vorherigen Twilight-Filme sind nett und auch der letzte Film gliedert sich problemlos in diese Reihe ein. Bezüglich Stil und Anspruch gleichen sich die Teile sehr. Breaking Dawn Part II beginnt mit spektakulären Landschaftsaufnahmen wie wir sie schon aus den anderen Filmen kennen und setzt genau da an, wo der letzte Teil aufhört. Bellas rote Vampiraugen öffnen sich und ihr Leben als wunderschöner Vampir beginnt. Die Spezialeffekte sind wie immer schön anzusehen, bieten zwar nichts Neues, wirken dafür aber während des gesamten Streifens nie zu übertrieben. Die Vampire und ihre Fähigkeiten sowie die Werwölfe sind ansehnlich animiert. Positiv ist wohl auch, dass man nicht mehr so oft denkende Werwölfe hört wie in Part I. Dafür kriegt man wieder einmal Kristen Stewarts Frontzähne zu sehen, obwohl ich sagen muss, dass sich auch das verbessert hat. Zur schauspielerischen Leistung möchte ich mich sonst nicht allzu ausschweifend äußern. Sie haut das Publikum zwar nicht vom Hocker, für kreischende Mädchen mit Zahnspangen reicht es allemal und im Gegensatz zu den ersten Teilen hat sich Einiges getan. Die Schauspieler sind reifer und wirken erwachsener. Doch abgesehen davon stellt sich die Frage, ob der Film der Romanvorlage von Stephenie Meyer gerecht werden kann. Meiner Meinung nach kann er das. Ob nun Meyers Werke den Höhepunkt der Fantasyliteratur darstellen, sei dahingestellt und muss abgetrennt von der filmischen Umsetzung betrachtet werden. Breaking Dawn Part II bleibt seiner Vorlage treu, bis auf einige Actionszenen mehr, die aber dem amerikanischen Popcorn-Kino geschuldet sind und das ganze aufpeppen. So weit, so gut. Bleibt nun noch das Vorurteil, Twilight sei absoluter Kitsch. Diese These wurde von den vorherigen Twilight-Filmen bereits bestätigt und das Finale der Saga setzt diesem Vorurteil sein herzförmiges rosa i-Tüpfelchen auf. Seufzer, Schluchzer und "Oh wie schön"-Ausrufe untermalen das romantische Filmerlebnis. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich hierbei um einen absoluten Frauenfilm handelt (ohne die Männer, die die Filmreihe mögen, beleidigen zu wollen). Sachlich betrachtet bietet Breaking Dawn Part II nichts sonderlich Innovatives und kann weder mit Anspruch noch mit außergewöhnlich kunstvoller Umsetzung punkten. Es ist durch und durch Popcorn-Kino, sonst nichts. Als Vampir-Infizierte muss ich andererseits sagen, dass das Warten sich gelohnt hat. Wer die anderen Filme kennt und lieben gelernt hat, wird vom "epischen" Finale nicht enttäuscht werden. Ein paar Lacher gibt es auch (man beachte die Szene, in der sich Charlie und Jacob allein gegenüber stehen). Nett anzuhören ist übrigens auch der Soundtrack, der einem den typisch melancholischen Twilight-Sound bietet.
Ich betrat den Kinosaal also mit einiger Skepsis gemischt mit Vorfreude, aber gelangweilt habe ich mich zumindest nicht.

Fazit für Lesefaule: Nichts wie rein in den Kinosaal, wenn ihr sowieso Buch- und Filmfans der Saga seid. Alle anderen können sich auf kurzweiliges Vergnügen freuen, wenn sie wissen, was auf sie zukommt. Wer grundsätzlich nichts mit der Vampirromanze anfangen kann, sollte dann doch eher mit James Bond Vorlieb nehmen.
Sophie

Sonntag, 18. November 2012

World War Z Trailer

Nach Warm Bodies kommt nun ein weiterer Zombiefilm, dessen Trailer wir euch zeigen wollen. Eine seltsame Krankheit breitet sich in der ganzen Welt aus und verwandelt Menschen in Zombies. Brad Pitt alias Gerry Lane soll versuchen, die Pandemie zu stoppen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und den Untergang der Menschheit beginnt. Ein Film mit atmosphärischer Ende-der-Menschheit-Stimmung oder doch eher überflüssiger Zombiekram?


Mittwoch, 14. November 2012

Die Fantasywelle geht weiter...

Wenn es gerade so gut läuft, wieso dann aufhören?
Das gleiche dachten sich wohl auch die großen Filmstudios und so reißen die Fantasy-Love-Produktionen einfach nicht ab. Den Trailer von Warm Bodies konnten wir euch ja bereits präsentieren, nun folgen weitere:

Zum einen wäre da die Verfilmung von Stephenie Meyers Seelen. Neben Saoirse Ronan und dem deutschen Importknüller Diane Kruger kommen hier auch mega spacige Kontaktlinsen zum Einsatz.





In Beautiful Creatures ist es diesmal ein Mann, der sich in ein übernatürliches Mädchen verliebt. Die Bestsellerverfilmung wirkt auf den ersten Blick doch etwas uncharismatisch besetzt. Was meint ihr?





Und noch ein besonderer Leckerbissen am Schluss. Die guten alten Gebrüder Grimm Märchen hatten ja schon immer eine dunkle Seite und Hänsel und Gretel - Hexenjäger legt genau auf diese Seite den Daumen rauf. Um ihr Kindheitstrauma zu verarbeiten, metzeln Jeremy Renner und Gemma Arterton hier nämlich mal eben den gesamten Märchenwald-Hexenbestand ab.





Was für euch dabei?

Neu im Kino ab 15.November



http://24.media.tumblr.com/tumblr_mc24tyvdpr1r412rko1_1280.jpgCloud Atlas: Ein (vermutlich) episches Werk, dessen Inhalt schwer in Worte zu fassen ist. Im neuen Film unter der Regie der Wachsowski-Geschwister und Tom Tykwer geht es um das Leben und den Tod, Wiedergeburt und Schicksal und darum, wie alles miteinander verbunden ist. In verschiedenen Rollen können wir hier Halle Berry, Tom Hanks, Ben Whishaw, Jim Sturges, Susan Sarandon und viele mehr sehen. Schaut euch dazu auch unseren Beitrag zur Europapremiere an.








http://www.new-video.de/co/rc/r.dickemaedchen12mf.jpgDicke Mädchen: Sven (Heiko Pinkowski) kümmert sich um seine unter Demenz leidende Mutter Edeltraut (Ruth Bickelhaupt), mit der er zusammen unter einem Dach lebt. Wenn er arbeiten geht, übernimmt Daniel (Peter Trabner) Edeltrauts Pflege. Als die ältere Dame einmal ausbüchst, kommen die zwei sich auf der Suche nach ihr näher. Innovatives deutsches Low-Budget-Kino, das ganz ohne Filmcrew auskommt.








http://collider.com/wp-content/uploads/dredd-movie-poster.jpgDredd 3D: In einem utopischen Amerika herrscht Chaos und Gewalt, im Mittelpunkt steht die Stadt Mega City One. Um die Situation halbwegs unter Kontrolle zu bringen, haben sich die sogenannten Judges zusammengeschlossen, die auf ihre Art für Ordnung sorgen. Zu ihnen gehört auch Dredd (Karl Urban), der die neue Cassandra (Olivia Thirlby) zum Judge ausbildet. In einer weitestgehend unüberwachten Gegend stoßen die beiden auf die neue sich verbreitende Droge Slo-Mo. Sie stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, den weiblichen Drogenboss Ma-Ma und ihre Gang zu überführen.

Montag, 12. November 2012

Fehlkauf des Tages: Die Stunde des Jägers



INHALT: Wenn es einen Inhalt gibt, kommt er diesem hier wohl am Nächsten: Der ehemalige Soldat Aaron Hallam (Benicio Del Toro) kehrt nach seinem Einsatz traumatisiert in sein Leben zurück. Er kann nicht mehr zwischen Realität und den Erlebnissen aus seiner Vergangenheit unterscheiden und tötet aus fragwürdigen Gründen zwei Jäger. In dem Mord soll L.T. Bonham (Tommy Lee Jones) ermitteln, der Hallam einst für seinen Einsatz ausbildete. Los geht die Schnitzeljagd...

http://www.videopoint-mainz.de/Archiv/die-stunde-des-jaegers.jpg
MEIN SENF: Die Schonzeit ist zu Ende prangt als Untertitel auf dem DVD-Cover, das doch recht ansprechend gestaltet ist. Klingt eigentlich vielversprechend. Dazu gibt es noch grandiose Darsteller wie Tommy Lee Jones aus Men in Black und Benecio Del Toro (derzeit im Kino bei Savages zu sehen) und eine interessante Hetzjagd-Story. Was will man mehr? Nachdem man diesen Film gesehen hat, sollte man sich eher fragen, wie man überhaupt etwas von diesem Film erwarten konnte. Was so vielversprechend aussieht, stellt sich schnell als Mogelpackung heraus und man fühlt sich seltsam an der Nase herumgeführt. Ja, wann ist denn die Schonzeit nun zu Ende? Ich musste bis zum Ende des Abspanns warten und stellte fest, dass ein Ende gar nicht vorgesehen war. Wo die FSK 18 herkam, erschloss sich mir ebensowenig. Was auch immer Tommy Lee Jones dazu bewogen hat, diese Rolle anzunehmen, es muss sehr überzeugend gewesen sein. Er und Benecio Del Toro sind auch die einzigen Punkte, die für diesen Film sprechen. Die Stunde des Jägers zieht sich dahin wie ein altes geschmackloses Kaugummi, das zu lange unter der Schuhsohle klebt. Man wartet gebannt darauf, dass der Film in Fahrt kommt, doch leider zahlt sich die Geduld hier nicht aus. Immer wieder geht Jones auf Spurensuche und immer wieder rennt ihm Del Toro davon. Ein paar Nahkampfszenen sind das Highlight. Dünne Erklärungen für die Absichten des Mörders Hallam gibt es gratis dazu. Mehr gibt es zum Film eigentlich nicht zu sagen.Vielleicht wäre eine Änderung des Titels in Die Stunde der Langeweile - Die Schonzeit endet nie angebracht.
Sophie

Sonntag, 11. November 2012

Warm Bodies Trailer

Als wir das erste Mal von diesem Film gehört haben, staunten wir nicht schlecht. Während der Zombie R das Gehirn eines Jungen verspeist, verliebt er sich in die Freundin von eben jenem.
Nach diversen Vampirromanzen schien diese Geschichte die Spitze der Absurditäten zu sein. Wie unglaubwürdig ist ein verliebter Zombie? Und wie sollte sich ein Mensch jemals in jemanden verlieben, der Menschen frisst und langsam verwest?
Aber der gerade erschiehene Trailer zu Warm Bodies lässt nun doch Zweifel aufkommen, ob diese Vorurteile wirklich begründet sind. Die ganze Geschichte scheint nämlich mit erfrischend viel Humor aufgezogen zu sein:



Was sagt ihr?

DVD: We Need To Talk About Kevin

INHALT: Eva (Tilda Swinton) kann von Geburt an keine Verbundenheit zu ihrem Sohn Kevin (Ezra Miller) spüren. Auch der Vater und die jüngere Schwester können nicht zu einer Verbesserung beitragen. Die spannungsgeladene Mutter-Sohn-Beziehung eskaliert in einem blutigen Disaster. Infolgedessen muss Eva sich mit Anfeindungen von allen Seiten auseinander setzen.



UNSER SENF: Es ist ein schmaler Grat, wenn sich Filme Tabuthemen widmen: Ist man ein schlechte Mutter, wenn man sein Kind nicht lieben kann? Darf man sein Kind noch lieben, wenn es ein Mörder ist?
"Eva, er ist doch noch klein. Ein süßer kleiner Junge.
 Jungs machen so was."
Regisseurin Lynne Ramsay erzählt die Geschichte nicht chronologisch. Die vielen Zeitsprünge fordern eine gewisse Eingewöhnungszeit, so springt man beispielsweise von Kevins Gefängnisaufenthalt zu seiner Geburt.(Orientierungsmöglichkeit: Swintons Haarlänge)
Durch die Handlungsprünge erschließen sich einem erst im Laufe des Films die Hintergründe des Geschehens, was die Spannung aufrecht erhält. Dies bietet dem Zuschauer viel Interpretationsspielraum und steigert gleichzeitig das Verlangen nach Aufklärung. Im Film wird besonderes Augenmerk auf Nahaufnahmen gelegt. Die Bilder konzentrieren sich auf scheinbar banale Dinge, wie das Zerdrücken von Cornflakes, wodurch eine intensive Atmosphäre entsteht, die dem Zuschauer Unbehagen bereitet. Dies wird durch den Einsatz von stimmungsentgegengesetzter Musik noch verstärkt. Beim Beobachten der kontroversen Mutter-Sohn-Beziehung drängt sich einem immer mehr die Frage auf: Wieso benimmt sich Kevin so? Und wenn man sich gerade einbildet, Kevins Intentionen zu verstehen, wird man eines Besseren belehrt. Durch die nüchterne Darstellung bietet sich dem Zuschauer keine Möglichkeit sich dem Thema zu entziehen. Letztendlich lässt We need to talk about Kevin einen mit einem unguten Gefühl zurück und animiert zum Nachdenken. Die ohnehin beeindruckende Tilda Swinton legt auch hier wieder eine Glanzleistung ab. Schnörkellos und nicht übertrieben spielt sie eine Mutter, die sich nur aus der Pflicht heraus mit ihrem Kind auseinander setzt. Ezra Miller, der den jugendlichen Kevin spielt, ist im Vergleich zu Swinton ein relativ unerfahrener Schauspieler. Diese Unerfahrenheit macht er aber durch sein Talent wett. Es gelingt ihm einen eiskalten, hasserfüllten Sohn zu porträtieren, dem jedes Mittel recht ist, um seine Mutter wach zu rütteln. (Er ist zur Zeit neben Emma Watson in der Romanverfilmung Vielleicht lieber Morgen im Kino zu sehen)
Wer schwere Kost mit Anspruch verträgt, sollte um diesen Film keinen Bogen machen. Manchmal sind es die leisen Filme, die am lautesten sind.

DVD-Infos: Die DVD bietet spannendes Zusatzmaterial, in dem man Antworten auf noch offene Fragen finden kann.
Steffi & Sophie


Freitag, 9. November 2012

Liebe Moviefreunde,

hiermit möchten wir euch mitteilen, dass wir aus technischen Gründen unseren Blog hier weiter führen. Unsere alten Beiträge könnt ihr weiterhin unter www.movienerds.blogg.de aufrufen. Auch wenn unsere Seite nicht mehr an der gleichen Stelle zu finden ist, befindet sich unser Herz noch am rechten Filmfleck. Außer der Adresse hat sich also nichts verändert. Wir wünschen euch und uns auch in Zukunft viel Spaß beim moviemäßig abnerden.

Mit freundlichen Grüßen

eure Movienerds Sophie & Steffi