Sonntag, 3. März 2013

Flight

Wer sollte sich den Film ansehen? Ganz sicher gibt es sogar bei diesem Film den ein oder anderen, dessen Geschmack getroffen wird. Wer diese Person ist, mag ich mir jedoch beim besten Willen nicht vorstellen.

Wer sollte sich den Film NICHT ansehen? Unserem Auftrag als Movienerds folgend kann ich nur eins raten: Das Kinogeld lieber in einen anderen Film investieren!

Wissenswertes: Der Absturz ist inspiriert von einem wahren Ereignis. Die Alaska Airlines 261 war ebenfalls in einem extrem schnellen Sinkflug. Die Piloten versuchten damals ebenfalls den Sturzflug abzuwenden, in dem sie das Flugzeug umdrehten. Anders als im Film scheiterte das riskante Manöver jedoch.

INHALT: Captain 'Whip' Whitaker (Denzel Washington) bekommt eigentlich nichts auf die Reihe. Seine Ex-Frau und sein Sohn wollen nichts von ihm wissen, es sei denn es geht um finanzielles. Die Leere bekämpft er mit Alkohol und Drogen. Das einzige was er noch unter Kontrolle hat ist das fliegen: trotz 2,4 Promille landet er ein Flugzeug auf unglaubliche Art und Weise und rettet 100 Menschen das Leben. Aber seine Alkoholsünden sollen nicht ungesühnt bleiben...

 


UNSER SENF: Manchmal passiert es einfach. Hollywood schmeißt die Trailermaschinerie an und schon verschwendet man 138 Minuten seiner kostbaren Lebenszeit. So geschehen bei Flight. Ein ansehnlicher Trailer der ein spannendes Drama mit einem großen Konflikt verspricht und oben drauf gibts noch den großen Hollywoodschauspieler Denzel Washington.
Regisseur Robert Zemeckis hatte bisher eigentlich auch mit Forrest Gump und Cast Away Talent bewiesen.
Bei Flight geht die Rechnung jedoch überhaupt nicht auf. Die ersten 15 Minuten sind noch spannend, da sieht man einen Horror-Flugzeugabsturz und einen stockbesoffenen Piloten, der die Maschine auf spektakuläre Weise landet (nach Expertenmeinung jedoch total unrealistisch). Im Vergleich zum Flugzeug im Film, stürzt Flight leider total ab.
Vielleicht wäre der nötige Schritt ganz einfach gewesen: Den verstaubten zwei Stunden Streifen auf 90 Minuten runterbrechen. Aber Zemeckis ist nicht gerade bekannt für seine kurzen Filme (Cast Away: 143 min; Forrest Gump: 141 min). Und so sitzt man das ein oder andere mal ratlos da, mustert die Uhr und wundert sich, wie lange dieser zähe Kaugummi sich wohl noch ziehen kann. Drama der unschönen Art wird einem hier geboten mit lauter unnötigen Charakteren und einem unsympatischen Hauptdarsteller. Wie Denzel Washington für diese Rolle eine Oscarnomienierung erhalten konnte ist eigentlich das größte Rätsel von Flight. Man kann nur hoffen, dass die Erfolgsaussichten gering sind. Für jede Situation hat er sich für Pilot Whitaker die Allzweckwaffe ausgedacht: auf den Zähnen rumkauen und die Zunge in die Backe schieben. Seine Freundin verlässt ihn, er kaut. Er kann der Flasche nicht wieder stehen, Zunge in die Backe. Die Presse lauert ihm auf, kurz kauen und dann noch die Zunge in die Backe. Am Anfang wundert man sich noch über die schauspielerische 'Vielfalt'. Gegen Ende wird es lästig. (Ja, uns ist bewusst, dass das ein Zeichen von Kokainabhängigen ist, aber als Schauspieler sollte man sich nicht nur auf diese eine Mimik verlassen.)
Auch die Geschichte vermag nicht zu überzeugen. Das jede Wendung voraussehbar ist, kann man vielleicht noch verzeihen, aber das der Film teilweise an Washingtons Popcornstreifen Dejavu erinnert, nicht. Inhaltlich gibt es natürlich keine Parallelen, aber letztendlich passiert immer das gleiche: Er verspricht sich zu bessern, stürzt jedoch wieder ab und wieder und wieder. Das ganze wird natürlich durch ein 'überraschendes' Gutmenschfinale gekrönt.
Furchtbar anzusehen ist auch der Umgang mit Drogen. Da versucht man in einer Szene den Wahnsinn und die Zerstörungskraft von Drogen zu zeigen, nur um in der nächsten Szene witzig und unterhaltsam damit umzugehen. Nebenbei muss sich der Zuschauer außerdem mit ganzen drei Frauen in Whitakers Leben auseinander setzen. Eine Ex-Ehefrau, eine Affäre und eine Seelenverwandte die ebenfalls im Drogensumpf gefangen ist. Hätte man nicht so viele dramatische Baustellen aufgezogen, hätte man vielleicht die notwendigen 50 Minuten vom Film wegstreichen können.

Fazit für Lesefaule: Autsch! Große Hollywoodbruchlandung!

Steffi

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