Mittwoch, 21. November 2012

Cloud Atlas


Wer sollte sich den Film ansehen? Wer Deutschland als Drehort unterstützen will der kann das hier tun. Außerdem kann man großartigen Schauspielern dabei zu sehen, wie sie einem sechs unterhaltsame Geschichten näher bringen.

Wer sollte sich den Film NICHT ansehen? Ein dreistündiges Kinoerlebnis ist nicht Jedermanns Ding, vor allem wenn tiefgründige Dialoge und bedeutungsschwangere Worte den Film dominieren.

Wissenswertes: Die Wachowski-Geschwister wurden während der Dreharbeiten zu V wie Vendetta auf Cloud Atlas aufmerksam. Dort las Hauptdarstellerin Natalie Portman David Mitchells Roman in den Drehpausen. Eigentlich wurde ihr auch die Rolle der Sonmi-451 versprochen, aufgrund einer Schwangerschaft musste sie jedoch in letzter Minute absagen.

INHALT(ein Versuch): Sechs unterschiedliche Geschichten, die zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten spielen, sollen zeigen, dass alles mit einander verknüpft ist. Die Entscheidungen, die wir treffen und die Menschen, die wir sind, wirken sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Vergangenheit und die Zukunft aus. Oder so ähnlich.





MEIN SENF: Wenn man einen Film so anpreist, wie man es mit Cloud Atlas getan hat, dann tut man einem solchen Projekt keinen Gefallen. Ja, es handelt sich um die teuerste deutsche Co-Produktion aller Zeiten (100 Millionen Dollar) und ja, der Roman galt immer als unverfilmbar. Aber wenn man dann auch noch behauptet, es würde sich um den besten Film des Jahres handeln, dann kann das Endprodukt eigentlich nur enttäuschen. Und deswegen gleich vorne weg: Nein. Cloud Atlas ist nicht der beste Film des Jahres.
Aber Cloud Atlas ist auch kein schlechter Film. Die größte Stärke ist die ausgezeichnete Besetzung. Und zwar nicht nur weil jeder Einzelne sein Handwerk beherrscht, sondern vor allem, weil man den Schauspielern anmerkt, wie sehr sie sich in Cloud Atlas austoben konnten. Die einzelnen Schauspieler sind in allen Epochen vertreten und es werden munter Geschlechter, Hautfarben und Rassen getauscht. Besonders überrascht hat mich Hugh Grant, den ich im Vorhinein kaum als Bestandteil des Casts registriert hatte. Der sonst stets schusselige und rehäugige Grant verwandelt sich hier nämlich in einen ekligen, verdorbenen Widerling. Seine Auftritte sind eher kurz, bleiben aber am meisten im Gedächtnis. Die wohl ergreifenste Performance liefern Ben Wishaw und Zhou Xun. Die zweite Stärke ist der bestechend schöne Soundtrack. Wenn alle Stränge reißen, vermag es so doch wenigstens die Musik den Zuschauer mit zu reißen. Das Wolken Atlas Sextet zieht sich durch den gesamten Spielfilm und ist das wahre Verbindungsglied zwischen den Zeiten. Und zu guter letzt bereichert die Kombination aus drei Regisseuren Cloud Atlas deutlich. Bei einer doch etwas langen Erzählung (172 Minuten) tut es gut, dass jede einzelne Geschichte ihre eigene Handschrift trägt. Bei einigen Episoden, wie der von Sonmi-451, merkt man sofort, dass die Wachowski-Geschwister ihre Finger im Spiel haben, bei anderen kann man immerhin Vermutungen aufstellen. So bietet jede Geschichte unterschiedliche Facetten: mal emotional, mal witzig, mal brutal, mal apokalyptisch und mal actiongeladen. Am Unterhaltsamsten ist die Geschichte des Rentners Cavendish, der mit seinen Freunden aus einem Altersheim flieht. Jeder muss jedoch für sich selbst entscheiden, welches Schicksal einen persönlich am meisten anspricht. (Bei mir waren es wohl das des Komponisten(Ben Wishaw) und von Sonmi-451)
Optisch ist nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Twilight Filme könnten sich ein Beispiel nehmen an den professionellen CGI Effekten. Teilweise wunderschöne Landschaften kommen ebenfalls dazu. Dass der Film ab 12 Jahren freigegeben ist, überrascht jedoch hier und da, weil dem Zuschauer doch zwischendurch sehr blutige Bilder geboten werden.
Aber leider hat Cloud Atlas auch einige Schwachstellen. Die Geschichte ist bemüht hochtrabend und will außergewöhnlich intellektuell und tiefschürfend sein, tatsächlich bleibt der tiefere Sinn dem Zuschauer jedoch eher vorenthalten. Die ganze Wiedergeburtsangelegenheit wird zwar mit Worten oft genug betont, kommt jedoch durch die einzelnen Geschichten eher wenig zur Geltung. Und was soll es einem an Moral vermitteln, wenn der Schuft immer und immer wieder der Schuft ist? Auch wirken die Verkleidungen teilweise etwas lächerlich. Hugh Grant, Hugo Weaving und Jim Sturgess mit grotesken Masken, die das Gesicht asiatisch aussehen lassen sollen? Oder Hugo Weaving als Frau, die aber immer noch wie ein Mann aussieht? Auch wirken die einzelnen Geschichten etwas unvollendet, da sie jeweils enden bevor eigentlich der Schritt in den nächsten Zeitausschnitt erzählt wird. Aber vielleicht sollte man dafür auch dankbar sein, weil mehr als 172 Minuten den Rahmen definitiv mehr als überspannt hätten.

Fazit für Lesefaule: Cloud Atlas ist ein Projekt, in das viel Herz und viel Schweiß gesteckt wurde und das merkt man auch. Wenn man sich auf den Film einlässt, kann man sich auf interessante drei Stunde einstellen. Aber wer erwartet in seiner Weltanschauung beeinflusst zu werden, der wird wohl enttäuscht werden.

Steffi

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