UNSER SENF: Die erste Szene: Ein Mädchen spielt Himmel und Hölle und läuft anschließend mit einem Teddy in der Hand nach Hause. Es wird klar, dass dieses Mädchen noch ein Kind ist, das eben spielen möchte. Der Zuschauer soll diesen Punkt scheinbar im Hinterkopf behalten und es wird bald deutlich, weshalb. Die Regisseurin Eva Ionesco verarbeitete mit I'm not a f**king Princess ihre eigenen Kindheitserlebnisse und vor allem das macht die Geschichte des Filmes unheimlich interessant. Filme, die auch nur ansatzweise auf wahren Begebenheiten beruhen, üben meist einen seltsamen Reiz auf das Publikum aus und in diesem Fall wirkte der Hauptcharakter der Geschichte, Ionesco selbst, deren Name im Film Violetta lautet, zentral bei der Entstehung des Filmes mit. Sie erzählt ihre persönliche Sicht der Erlebnisse ihrer Kindheit. Unverblümt und subjektiv. Es ist eine aufwühlende Geschichte, die viele Grundsatzfragen aufwirft. Ist es noch Kunst, Kinder nackt und mit gespreizten Beinen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, sei es nur auf Papier? Ist es große Liebe, das eigene Kind in die Arbeit einzubinden oder nur ein Mittel zum Zweck? Das Thema ist umfassend und bietet viel Diskussionsstoff, wird vermutlich aber größtenteils auf Ablehnung stoßen. Das Risiko, in Sentimentalitäten abzudriften, ist bei einer solchen Verfilmung also groß. Allerdings ist dies ein französisch-rumänischer Film, der dem Ruf der französischen Kunstfilme treu bleibt. Wunderbar nüchtern und fast kühl wird die sonderbare Mutter-Tochter-Beziehung dargestellt. Es ist fast unmöglich, mit den Protagonisten mitzufühlen, da dem Zuschauer jeder Dialog und jedes Fotoshooting so trocken und sachlich aufgetischt wird. An dieser Stelle hat die Regisseurin ihre eigenen Emfindungen für ihre Mutter stark zurückgenommen, sodass es dem Publikum überlassen bleibt, Hannas Aktionen zu beurteilen. Die Musik des Filmes verstärkt die nüchterne Wirkung. Die Szenen erscheinen fast banal bei den vor sich hinplätschernden Tönen. Anamaria Vartolomei war bei der Verfilmung gerade zehn Jahre alt und dafür ist ihre schauspielerische Darbiertung umso erwähnenswerter. Sie verkörpert glaubwürdig das Kind mit den großen Augen in einem Porzellangesicht, das man einfach in die Haut einer erwachsenen Frau gezwängt hat. Wenn Hanna ihre Tochter zu Meetings mit Kollegen und Freunden in eine Bar mitnimmt, wird dieser Gegensatz besonders deutlich. Da sitzt die kleine Dame, die wie ein normales Fotomodell behandelt wird, im Rauch zwischen all den Erwachsenen und gibt trotzige Antworten.
FAZIT FÜR LESEFAULE: Eine sachlich erzählte, mit starken Schauspielern gespickte, wahre Geschichte, die den Zuschauer jedoch nie wirklich erreicht und ihn mit dem Gefühl zurücklässt, dass da noch irgendetwas fehlt.
Sophie
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