Sonntag, 11. November 2012

DVD: We Need To Talk About Kevin

INHALT: Eva (Tilda Swinton) kann von Geburt an keine Verbundenheit zu ihrem Sohn Kevin (Ezra Miller) spüren. Auch der Vater und die jüngere Schwester können nicht zu einer Verbesserung beitragen. Die spannungsgeladene Mutter-Sohn-Beziehung eskaliert in einem blutigen Disaster. Infolgedessen muss Eva sich mit Anfeindungen von allen Seiten auseinander setzen.



UNSER SENF: Es ist ein schmaler Grat, wenn sich Filme Tabuthemen widmen: Ist man ein schlechte Mutter, wenn man sein Kind nicht lieben kann? Darf man sein Kind noch lieben, wenn es ein Mörder ist?
"Eva, er ist doch noch klein. Ein süßer kleiner Junge.
 Jungs machen so was."
Regisseurin Lynne Ramsay erzählt die Geschichte nicht chronologisch. Die vielen Zeitsprünge fordern eine gewisse Eingewöhnungszeit, so springt man beispielsweise von Kevins Gefängnisaufenthalt zu seiner Geburt.(Orientierungsmöglichkeit: Swintons Haarlänge)
Durch die Handlungsprünge erschließen sich einem erst im Laufe des Films die Hintergründe des Geschehens, was die Spannung aufrecht erhält. Dies bietet dem Zuschauer viel Interpretationsspielraum und steigert gleichzeitig das Verlangen nach Aufklärung. Im Film wird besonderes Augenmerk auf Nahaufnahmen gelegt. Die Bilder konzentrieren sich auf scheinbar banale Dinge, wie das Zerdrücken von Cornflakes, wodurch eine intensive Atmosphäre entsteht, die dem Zuschauer Unbehagen bereitet. Dies wird durch den Einsatz von stimmungsentgegengesetzter Musik noch verstärkt. Beim Beobachten der kontroversen Mutter-Sohn-Beziehung drängt sich einem immer mehr die Frage auf: Wieso benimmt sich Kevin so? Und wenn man sich gerade einbildet, Kevins Intentionen zu verstehen, wird man eines Besseren belehrt. Durch die nüchterne Darstellung bietet sich dem Zuschauer keine Möglichkeit sich dem Thema zu entziehen. Letztendlich lässt We need to talk about Kevin einen mit einem unguten Gefühl zurück und animiert zum Nachdenken. Die ohnehin beeindruckende Tilda Swinton legt auch hier wieder eine Glanzleistung ab. Schnörkellos und nicht übertrieben spielt sie eine Mutter, die sich nur aus der Pflicht heraus mit ihrem Kind auseinander setzt. Ezra Miller, der den jugendlichen Kevin spielt, ist im Vergleich zu Swinton ein relativ unerfahrener Schauspieler. Diese Unerfahrenheit macht er aber durch sein Talent wett. Es gelingt ihm einen eiskalten, hasserfüllten Sohn zu porträtieren, dem jedes Mittel recht ist, um seine Mutter wach zu rütteln. (Er ist zur Zeit neben Emma Watson in der Romanverfilmung Vielleicht lieber Morgen im Kino zu sehen)
Wer schwere Kost mit Anspruch verträgt, sollte um diesen Film keinen Bogen machen. Manchmal sind es die leisen Filme, die am lautesten sind.

DVD-Infos: Die DVD bietet spannendes Zusatzmaterial, in dem man Antworten auf noch offene Fragen finden kann.
Steffi & Sophie


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